Montag, 2. April 2012

On the Road Again...

Der Countdown läuft... nur noch drei Wochen, bis ich wieder zurück im vermutlich nasskalten Deutschland bin. Ist sehr schwer zu glauben und zu realisieren, denn ich habe mal wieder jegliches Zeitgefühl verloren.
Seit zwei Wochen bin ich wieder unterwegs - fühlt sich eher nach zwei Monaten an. Ich bin fast jeden Tag an einem anderen Ort, sehe und erlebe ständig Neues - und genieße jede einzelne Minute. Reisen wird in Neuseeland auch einfach nicht langweilig: Man fährt hundert Kilometer und die Landschaft verändert sich komplett. Seht selbst...

Von Queenstown aus ging es ein letztes Mal Richtung Süden, zum Milford Sound. Das ist eine Art Fjord, sehr entlegen und trotzdem voller Touristen. Aber weil hier mittlerweile der Herbst angefangen hat, ist die Hochsaison vorbei und man teilt sich die touristischen Attraktionen nicht mehr mit hundert anderen (nur noch mit zwanzig). Auf dem Weg zum Milford Sound hat es konstant geregnet, in den Bergen sogar geschneit. Das hatte ein interessantes Naturphänomen zur Folge: Die Berge, die in Milford Sound aus dem Wasser ragen, sind extrem steil, aber trotzdem bewaldet. Wenn es regnet, bahnt sich das Wasser seinen Weg durch den Wald, indem es in hunderten von Wasserfällen ins Meer stürzt. Das sah so unwirklich aus, wie direkt aus einem Fantasyfilm übernommen.


Man sieht es leider nicht so gut - die Regenwolken waren beim Fotografieren nicht wirklich hilfreich.

Am nächsten Tag hatte der Regen aufgehört. Zum Glück, denn ich wollte Kayak fahren gehen. Das war auch ein Erlebnis - fünf Stunden lang sind wir im Sound herum gepaddelt, haben Seelöwen aus zwei Metern Entfernung gesehen und sind beinahe von Sandflies aufgefressen worden. Trotzdem war es mit eines der schönsten Erlebnisse, die ich Neuseeland hatte!





Somit hatte ich den südlichsten Punkt, den ich jemals bereisen werde, erreicht, sofern ich nicht eines Tages den Südpol besuche. Von da an ging die Reise Richtung Norden. Ich war noch einmal zwei Tage in Queenstown, wo es mir extrem gut gefiel. Aber weil die Stadt auf Dauer ins Geld geht, bin ich dann doch weiter gereist (ohne einen Bungyjump, leider. Aber der war im Budget nicht drin).


Auf dem Weg nach Queenstown: Der einzige Grund für einen Stau in Neuseeland

Dieses Mal bin ich an der Westküste entlang gefahren, wieder ein komplett anderes Landschaftsbild als alles zuvor. Die Küste ist sehr hügelig, die Southern Alps sind nicht weit entfernt - aber alles ist von Regenwald bewachsen. Paradoxerweise war mein erster Zwischenstopp in dieser Landschaft an einem Gletscher. Es mutet schon etwas seltsam an, stundenlang durch Regenwald zu wandern mit dem Ziel, am Ende vor einer riesigen Eismasse zu stehen... Aber das ist Neuseeland. Die krassesten Gegensätze der Natur, zusammengewürfelt auf zwei Inseln.


Der Gletscher




Hier mal ein Blick auf die aktuelle Sommersprossenentwicklung und vielleicht der Grund, warum mich so viele für eine Irin halten


Wolken stauen sich an den Southern Alps







Pancake Rocks und Blick auf die Westküste



Jetzt bin ich ganz im Norden der Südinsel. Wenn das Wetter mitspielt, werde ich in den nächsten Tagen in einem der zahlreichen Nationalparks Neuseelands wandern und kayaken gehen - und dann wird es langsam Zeit, auf die Nordinsel überzusetzen. Der Heimflug rückt immer näher, zeitlich und geographisch. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge...

Donnerstag, 22. März 2012

Nach einer langen Zeit der Sesshaftigkeit bin ich seit ein paar Tagen wieder auf Reisen. Es kommt mir schon sehr viel länger vor, weil ich wieder jeden Tag Neues erlebe und eigentlich nie still stehe. Das ist nicht unbedingt schlecht, immerhin bleibt mir nur noch ein einziger Monat hier im Paradies.

Natürlich habe ich Akaroa nach so langer Zeit nicht ohne eine standesgemäße Abschiedsparty verlassen. Diese fiel zufällig auf den St.Patrick's Day - man kann sich also vorstellen, wie wenig Schlaf ich in der Nacht hatte... Mein letzter Arbeitstag im Hostel am Tag danach ließ sich demnach auch nur mit ganz viel Kaffee überstehen. So aber konnte ich zumindest die ganzen Abschiede im Dämmerzustand überstehen, was sie ein bisschen erträglicher machte.

Ach, nicht zu vergessen - die Woche davor war ich wieder einmal in Mittelerde unterwegs, genauer gesagt in Rohan. Leider hatte ich mir dazu den einzigen Regentag ausgesucht, weswegen man von der Landschaft nicht wirklich viel sehen konnte... Schön wars trotzdem - es gibt viele Bilder von mir mit Schwertern.





Das ist der Hügel, auf dem sich im Film Edoras befindet - dahinter ragen die Southern Alps in die Höhe. Eigentlich.

Und seitdem bin ich wieder unterwegs.
Nachdem ich monatelang immer direkt am Meer unterweg war, habe ich mich nun ins Landesinnere aufgemacht. Mein nächster Stopp war Lake Tekapo, ein kleiner, verschlafener Ort mittem in der Mackenzie-Hochebene. Endlich hatte ich auch mal Glück mit dem Wetter - in der Nacht vorher hatte es geschneit und die umliegenden Berggipfel waren weiß. Der Ort an sich war nicht besonders interessant, aber die Lage unbeschreiblich: Ich zeige euch mal, was ich meine.

Die ersten Monate in Neuseeland war ich im Extrem-Geldspar-Modus unterwegs, doch jetzt, wo sich meine Reise langsam dem Ende zuneigt, habe ich beschlossen, die Kreditkarte etwas lockerer stecken zu haben. Dafür habe ich immerhin knapp drei Monate Fisch frittiert.
Also bin ich in Tekapo auf eine Sternerkundungs- und eine Reittour gegangen. Beides war ein einmaliges Erlebnis - die Reittour führte mich bei immer noch grandiosem Wetter über die steppenartige Landschaft, immer mit den Southern Alps im Blick. Dass mir danach sämtliche Knochen wehtaten, war zu verschmerzen.








Auch die Stargazertour war ihr Geld wert. In Tekapo gibt es kaum Licht, welches den NAchthimmel stören könnte. Deswegen steht dort auf dem angrenzenden Berg ein Observatorium der University of Canterbury. Schon vom Garten meines Hostels aus war ich baff, wie viele Sterne man sehen konnte - als wir oben beim Observatorium angekommen waren, hatte sich die Anzahl nochmal verdoppelt. Ich hatte mir eine wolkenlose NAcht ausgesucht und ohne zu uübertreiben - so viele Sterne habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen. Die Guides versorgten uns mit Informationen zum Sternenhimmel und allen möglichen interessanten Fakten über Astronomie. Außerdem konnten wir durch die Teleskope schauen - und so habe ich neben der Milchstraße (mit bloßem Auge) unter anderem auch die Ringe von Saturn gesehen (durchs Teleskop). Wow.

Was mich in Tekapo aber am meisten faziniert hat, war die Luft. Am liebsten wäre ich einfach den ganzen Tag nur da gestanden und hätte geatmet - so etwas frisches, klares habe ich noch nie in die Lungen bekommen.

Am nächsten Tag bin ich zum Mt. Cook gefahren, Neuseelands höchstem Berg. Da Wetter war immer noch grandios, der Blick wunderbar und ich verbrachte den Tag damit, im Tal hin und her zu wandern und Gletscher zu beobachten.



Die Southern Alps



Mt Cook


Gletscherfluss

Als nächstes machte ich in Queenstown Halt, wo ich immer noch bin. Die Stadt ist ja als Abenteuer-Hauptstadt bekannt, dementsprechend viel Geld kann man hier lassen. Ich habe es mal ruhig angehen lassen und mir die Stadt angesehen, einen monströsen Burger gegessen und eine Gondelfahrt auf den nächsten Berg mitgemacht, von welchem man eine grandiose Aussicht hatte. Im nachhinein habe ich mir selbst zur Wahl der Reihenfolge gratuliert: Als ich nämlich vom Burgeressen zurück kam, musste die Feuerwehr zum örtlichen Umspannwerk anrücken, weil es dort brannte. Sämtliche umliegende Geschäfte hatten deshalb keinen Strom mehr - und die Gondeln standen still. Obwohl die Aussicht von dort wirklich toll war, gibt es sicherlich schöneres als stundenlang in einer kleinen Kapsel über dem Abgrund zu hängen...



Queenstown von oben, im Hintergrund die Bergkette "The Remarkables"


Ungewöhnlich bunt...




Beim nächsten Besuch probiere ich den Burger namens "Chief Wiggum". Oder den vegetarischen "Bun Laden" mit Falafel

Bungy-jumpen habe ich mich bis jetzt noch nicht getraut, obwohl es einem hier in Queenstown wirklich überall begegnet. Aber so langsam bekomme ich Lust darauf... Wer weiß. In ein paar Tagen werde ich noch einmal hier vorbeikommen - vielleicht ja dann!

Donnerstag, 1. März 2012

Good news, everyone...

...der Käptn segelt nach Hause!

Am 24. April lande ich in Frankfurt (wenn nicht wieder ein Sandsturm dazwischen kommt). Ihr dürft euch also schonmal auf meine Rückkehr vorbereiten - und dank der Lilly vermutlich auch auf eine legendäre "Rückkomm-Party" am darauffolgenden Samstag (liebe WG - was haltet ihr davon?^^)

Ich freu mich schon ziemlich, muss ich sagen, auch wenn ich Neuseeland sicherlich vermissen werde. Es gibt Dinge, die erlebt man nur auf Reisen und einige davon nur in Neuseeland...


Anmachversuch der Woche:

Ich stehe im örtlichen Pub an der Bar und will mein Bier mit der neuseeländischen Version einer EC-Karte bezahlen: Meiner Kiwibank-Eftpos-Card.
Ich bin also gerade dabei, die PIN-Nummer einzutippen, als sich ein Typ rechts von mir einschaltet:
"Hey, wem textest du denn da?"
Hmm... Dem Eftpos-Terminal? Meinem Kiwikonto, es möge bitte mein Bier bezahlen? Jaja...

Dinge, die grandios sind:
Überall barfuß laufen zu können - egal ob auf der Straße oder im Supermarkt. Oder in Gummistiefeln, egal wie dreckig sie sind - die Kiwis machen sie alltagstauglich.
Von US-Rentnern für eine Irin gehalten zu werden - ob jetzt wegen dem Akzent oder meinen erblondeten Haaren und den Sommersprossen, sei dahingestellt.
Menschen treffen, ständig neue Gesichter sehen und einen Blick auf ihre Geschichte werfen. Ein Stück Weg neben ihnen hergehen und dann ohne Bedauern weiterziehen. Kein Blick zurück. In kürzester Zeit Freunde machen, weil einen trotz aller Unterschiede eines eint: Fernweh, das ewige getrieben sein.
Die spektakuläre Landschaft, jeden Tag Meer riechen und sich ein bisschen wundern, dass man solche Träume tatsächlich efüllen kann. Auf sich alleine gestellt zu sein und sehen, dass es machbar ist.
Vergessen, wie unglaublich alles um einen herum ist und es wieder aufs Neue entdecken.


Dinge, die fehlen:

Schnee, schneidende Kälte und die kühle Logik eines richtigen Winters (ja, echt). Eine Autofahrt auf der richtigen Straßenseite, nur mit lauter Musik und dem eigenen falschen Gesang als Begleiter. Oder mit Annika, laut "Wild Child" gröhlend - bei offenem Fenster.
Einen Abend mit Freunden (euch allen, die ihr das lest - ihr fehlt mir!) verbringen, obwohl man eigentlich viel zu müde ist und dabei viel zu viel Geld ausgeben. Leute, die man selten sieht, zufällig beim Weggehen treffen und darauf anstoßen.
Auf einem Konzert kopflos, gedankenlos abgehen ohne daran zu denken, wie lächerlich man sich gerade macht.
Auf Rock im Park um zehn Uh morgens im Campingstuhl in der Sonne (oder im Regen) sitzen und das erste Bier aufmachen.
Gewohnheiten, die noch nicht wieder zur Last geworden sind - und die nächste Flucht planen...

Donnerstag, 16. Februar 2012

Rästel der Woche



So, wer mir sagen kann, was das ist, kriegt nen Keks^^ Es ist eingecremt, deswegen die seltsam matschige Farbe.

Freitag, 10. Februar 2012

Weil sich in der Zwischenzeit nicht allzu viel getan hat, werde ich euch heute ein paar Fotos zeigen, die euch vermutlich vor Neid erblassen lassen werden. Lasst euch gesagt sein - es ist nicht mehr ganz so warm, wie es auf den Bildern aussieht. Wobei es vermutlich immer noch tropisch ist im Vergleich zu euren sibirischen Graden... und trotzdem. Ich vermisse den Winter, glaubt es oder nicht.

Zunächst mal mein momentanes Zuhause:





Meine Arbeitskolleginnen und ich bei der "Arbeit":







Ein paar Impressionen der Gegend:








Und jetzt zeige ich euch, was ich jeden Abend bei der Arbeit beobachten kann: Ja, das ist der Blick, den man von der Theke aus hat. Vorsicht, Kitsch pur - kann ungeahnte Neidgefühle erwecken!











Grund der Woche, warum Neuseeland einzigartig ist:
Nur in diesem Land kann man barfuß in der Disco (bzw dem örtlichen Pub) tanzen. Und selbst - oder vor allem - die coolsten Styler tun es. Sieht dann sehr interessant aus, wenn von Kopf bis Knie durchgestylte Menschen auf der Tanzfläche herum hoppeln - ohne Schuhe.

Dienstag, 24. Januar 2012

Master der Fritteuse

Und nach monatelangem Suchen und Umherirren kann ich vermelden, endlich im Paradies angekommen zu sein.
Es war eher Zufall, der mich hierher verschlagen hat: Ich war wieder einmal auf Jobsuche, die eher ergebnislos verlaufen ist. Im Geiste hatte ich mich schon auf eine neuerliche Erfahrung als Plantagensklave eingestellt, als ich mich, mehr auf gut Glück, online für eine Stelle als Rezeptionist in einem Hostel bewarb. Zu meiner eigenen Überraschung bekam ich schon zwei Tage später eine Zusage.

Ich machte mich also nach Akaroa auf. Das ist eine Kleinstadt am Meer, auf einer Halbinsel circa 80km von Christchurch entfernt. Allein schon die Fahrt hierher war ein Erlebnis: Vorbei an den grünen, schroffen Hügeln erloschener Vulkane kurvte der Fahrer des monströsen Gelenkbusses mit standesgemäßer Ignoranz über die enge, kurvige Straße. Schon als ich Akaroa vom Kamm der Hügelkette, die es umschließt, das erste Mal gesehen hatte, habe ich mich in den Ort verliebt. Ein süßes, kleines Kaff voller netter Einwohner, Reisender und Möglichkeiten.

Akaroa ist eine ehemalige französische Siedlung, weswegen die Straßennamen französisch sind und die meisten Restaurants zumindest so tun als ob. Sie liegt geschützt in einer Bucht, so dass es im Vergleich zum restlichen Neuseeland unheimlich windstill ist. Das Meer hat wie gewohnt eine unglaublich schöne türkise Farbe und allgemein sieht alles um mich herum einfach nur wundervoll aus.

Auch das Hostel ist an Schnuckelligkeit nicht zu übertreffen - ein rosa Holzhäuschen mit tollem Garten. Hier arbeite ich am Wochenende als Rezeptionist, was bedeutet, dass ich ans Telefon gehe, Buchungen annehme, Leute einchecke, morgens die Betten mache und mich um die Wäsche kümmere. Klingt nach viel Arbeit, aber im Endeffekt bin ich nur von zehn bis zweölf wirklich beschäftig. Danach klingelt ab und an das Telefon und ich muss im Laufe des Tages ein paar Gäste begrüßen - die restliche Zeit sitze ich in der Sonne und arbeite an meiner Bräune.
Für diese Arbeit bekomme ich kostenlose Unterkunft und 50 Dollar. Mein Plan war, mir noch einen bezahlten Job zu suchen - ich war kaum eine halbe Stunde in Akaroa, als ich bereits einen gefunden hatte.

Den Rest der Woche arbeite ich also als Mädchen für alles in einem Cafe. Das ist ziemlich klein und jeder ist für alles zuständig. Ich mache also den Abwasch, serviere, nehme Bestellungen entgegen und verbringe viel, viel Zeit vor der Fritteuse damit, Fish + Chips zu fabrizieren. Morgen lerne ich auch noch, das Monstrum von einer Kaffeemaschine zu bedienen, dann darf ich mich offiziell "Barista" nennen.

Am Anfang war das alles ziemlich überwältigend, aber mittlerweile macht die Arbeit richtig Spaß. Ich habe nette Kollegen und bekomme vor allem ziemlich viel umsonst: Kaffee soviel ich will, einen Softdrink, eine Mahlzeit am Tag und ein alkoholisches Getränk nach dem Ende meiner Schicht. Außerdem bin ich eigentlich ständig nebenbei am Reste essen... Mal sehen, ob das meiner Backpackerdiät nicht den Todesstoß versetzt^^
Einziger Nachteil: Nach jeder Schicht rieche ich, als wäre ich in die Fritteuse gefallen.

Das alles hat zur Folge, dass ich hier kaum Geld ausgebe. Unterkunft ist umsonst und Essen brauche ich auch kaum, weil ich im Cafe so vollgestopft werde. Und so viel ist in Akaroa auch nicht los, als dass man hier sein Geld aus dem Fenster werfen könnte. Ist also perfekt zum Sparen und Geld verdienen - und das in einer wunderschönen Umgebung. Das Cafe liegt direkt am Strand un jeden einzelnen Abend kann ich mit Blick auf Berge und Meer einen spektakulären Sonnenuntergang beobachten.


Ich bin ziemlich froh, nach dem ganzen Herumreisen endlich wieder einen Ort zu haben, an dem ich eine Weile bleiben kann. Ein Mitreisender hat es letztens ganz treffend beschrieben - wenn man zu lange unterwegs ist, wird man so sehr von neuen Eindrücken und Impressionen überschwemmt, dass man sie irgendwann nicht mehr wirklich genießen kann. Genau so ging es mir in letzter Zeit. Ich habe gemerkt, dass ich nicht gerne länger als zwei Monate am Stück herumreise. Lieber entdecke ich ein Land, indem ich dort lebe: Eine Arbeit und irgendwo einen Ausgangspunkt habe, von dem aus ich alles erkunden kann. So wie damals in meinem Auslandssemester in Schweden. Wieder etwas gelernt.

Akaroa gefällt mir unheimlich gut, das ist definitiv ein Ort, an dem man bleiben könnte. Für länger, für immer. Aber keine Sorge - ihr fehlt mir alle viel zu sehr, als dass ich hier bleiben würde. Ich plane meine Heimkehr für Mitte April, genaueres weiß ich in ungefähr einem Monat.


Random Facts:
Ein Mitreisender hat mir von folgender Theorie erzählt: Angeblich gibt es nur eine begrenzte Anzahl an Typen, was uns nur nicht auffällt, weil wir meistens nicht mit so vielen verschiedenen Menschen zu tun haben. Die Theorie hat ihre Lücken, doch in Neuseeland treffe ich tatsächlich ständig auf Menschen, die mich vermeintlich an irgendjemanden erinnern. Und so sitzt momentan Oskar Lafontaine in Gestalt eines alten Iren abends neben mir am Esstisch, den Daniel habe ich auch schon getroffen - und natürlich würde das auch den Helmut erklären, der uns damals am Hot Water Beach begegnet ist. Vielleicht ist das aber auch nur ein Fall für X-Faktor: Das Unfassbare... *hier mystische Musik einblenden*.


Momentan der Hit Neuseeland: The Remote Control Flying Shark. Bekannt aus der Werbung einer Bank war der mit Helium gefüllte Luftballon, der mit einer Steuerungseinheit und Fernbedienung versehen wurde, der Renner bei den Weihnachtsgeschenken. Als dann eines schönen Feiertages ein Flugzeugpilot in den Tower von Christchurch funkte, dass ihm beim Landeanflug soeben ein fliegender Hai begegnet war, machte es das Gerät endgültig zu Kult.

Donnerstag, 22. Dezember 2011

Vom Glück, am richtigen Ort zu sein

Nach langer Abwesenheit hier mal wieder ein Lebenszeichen von mir.
Falls es bis in die deutschen Nachrichten durchgedrungen ist: Es gab wieder ein Erdbeben in Christchurch von der Stärke 5.8. Ich bin nicht dort, sondern nördlich davon in Kaikoura und habe vom Beben nichts mitbekommen.
Die Sache hätte aber knapper nicht sein können - eigentlich war ich fest entschlossen, Weihnachten in Christchurch zu verbringen um dann direkt dort mit der Jobsuche anfangen zu können, aber weil mir Kaikoura so gut gefällt, sind wir geblieben - andernfalls wären wir seit gestern in Christchurch gewesen und hätten heute eine ganz neue Erfahrung in Sachen Panik gemacht.
Die Vorstellung finde ich schon ein bisschen krass...

Vielleicht ist das ja mein diesjähriges Weihnachtswunder.
Kaum zu glauben, dass in ein paar Tagen Weihnachten ist – richtige Stimmung kommt hier am Strand nur schwer auf. Die Kiwis sind keine Freunde von extensiver Weihnachtsbeleuchtung und -dekoration, ein Glück. Doch weil das Wetter natürlich auch nicht zu vorweihnachtlicher Besinnlichkeit passt, neigt man hier dazu, die Existenz dieses Feiertags zu vergessen. Das ist aber vermutlich kein Fehler – mich plagt immer noch Heimweh, was an Weihnachten vermutlich seinen Höhepunkt erreichen dürfte. Ich werde das Beste darauf machen, auf Sonne hoffen und den Tag am Strand verbringen, aber trotzdem, allein die dreitägige Non-Stop-Schlemmerei werde ich extrem vermissen, denn die ist im momentanen Budget nicht drin.

Was mich zum nächsten Punkt bringt: Das leidliche Thema Gewicht. Die meisten weiblichen Backpacker klagen hier über neu dazugewonnene Speckrollen und unpassende Hosen, ständig kann man den sogenannten Muffin-Look beobachten: Zu enge Hosen quetschen alles, was nicht mehr hineinpasst, über den Rand hinaus – wie bei Muffins eben. Mich plagt das Gegenteil, alle meine Hosen sind mir viel zu weit. Ich habe mindestens fünf Kilo abgenommen. Genau lässt sich das nicht sagen, weil Waagen in den Hostels nicht sehr weit verbreitet sind.

Ich werde das als die „Backpacker-Diät“ vermarkten, sie funktioniert ganz einfach:
- Man schleppe jeden zweiten Tag (Durchschnittswert) 20 Kilo Gepäck auf dem Rücken umher
- am billigsten lässt sich jede Stadt zu Fuß erkunden, also läuft man und läuft und läuft...
- weil das Budget knapp ist, wird Süßkram rationiert, genau wie Fertigessen. Stattdessen gibt es Gemüse, Gemüse, Gemüse und morgens aufs Brot Avocado mit Salz. Die sind nämlich bezahlbar, im Gegensatz zu Käse und Wurst
- getrunken wird Leitungswasser, ist am billigsten


das Gepäck

Auch die Aktion "so braun wie nie zuvor werden" läuft gut. Hier in Neuseeland beweise ich mir selbst, dass meine Haut doch nicht so sonnenresistent ist wie gedacht. Es braucht nur ein bisschen Ozonloch und extreme Sonneneinstrahlung, dann bekomme selbt ich Farbe! Ein Nebeneffekt sind allerdings unzählige Sommersprossen im Gesicht, auf den Armen und den Schultern, aber die halten sich zum Glück farblich zurück.
Mein Bräunegrad dürfte zwar Extremen wie Daniel und Huda nur ein müdes Lächeln entlocken, aber mich freut es trotzdem. Wahrscheinlich könntet ihr Beide selbst jetzt eure winterblassen Arme neben mich halten und würdet mich trotzdem noch schlagen - aber man kann halt nicht alles haben!

Dann lasst mich mal kurz erzählen, was ich zwischenzeitlich alles erlebt habe.

Nach Napier sind wir wieder ein Stück nach Norden gefahren, ins Herz der Nordinsel: Nach Taupo. Das liegt ausnahmsweise mal nicht am Meer, aber Wasser ist auch hier nicht weit. Der Lake Taupo ist ein riesiger Vulkankegel, der sich mit Wasser gefüllt hat. Leider wendete sich das Wetter ab diesem Zeitpunkt gegen uns und es hat wochenlang nur geregnet. Das schränkt einen natürlich etwas ein wenn man vor allem Outdooraktivitäten geplant hat.

Auch Wellington hat sich deshalb nicht gerade von seiner besten Seite gezeigt, obwohl die Stadt an sich wirklich schön ist. Aber bei Regen macht halt auch Sightseeing nicht so viel Spaß. Danach war es Zeit, die Nordinsel hinter sich zu lassen. Die Überfahrt auf die Südinsel dauert um die drei Stunden und man soll dabei einen tollen Blick auf die Küste haben – tja, wenn es nicht regnet und der Nebel alles einhüllt. Aber ich werde ja nicht darum herumkommen, diese Fahrt auf dem Rückweg noch einmal zu machen, vielleicht habe ich ja dann mehr Glück.
Das Wetter wurde nach der Überfahrt langsam besser – es regnete zumindest nicht mehr, auch wenn die Wolkendecke selten aufriss. Die erste Stadt auf der Südinsel, Picton, war trotzdem schön. Sie liegt umgeben von grünen Bergen in einer verwinkelten Bucht und die Regenwolken, die zwischen den Bergen hindurch ziehen, verleihen ihr etwas mystisches.

Weil das Hostel so gemütlich war, sind wir länger geblieben als geplant – die gemütlichsten Bettbezüge der Welt und jeden Abend umsonst Schokokuchen mit Eis gaben den Ausschlag. Nach drei Monaten als Backpacker weiß man das zu schätzen.



Nach ein paar Tagen ging es trotzdem weiter nach Kaikoura. Hier treffen ein paar interessante Dinge aufeinander: Berge (richtig hohe) auf Meer auf Unterwassergraben. Das macht die Gegend zum einen landschaftlich interessant, zum anderen hat man hier die Möglichkeit, ganz nah an der Küste die verschiedensten Tiere beobachten zu können. Neben einer Seelöwenkolonie und verschiedenen Delfinarten kann man hier Walen begegnen.

Dabei wird man von einem grinsenden Maori in einem Boot in freizeitparkwürdiger Geschwindigkeit aufs Meer hinausgeschippert. Mit einem Hydrophon wird dann nach Walgesängen gelauscht und wenn man einen gefunden hat, fährt man ihm nach bis er auftaucht. Und so kamen wir in den Genuss, den sogenannten Great Sperm Whale zu erblicken - oder zumindest seinen Rücken und seine Flosse. Ja, er heißt wirklich so. Die namensgebenden Walfänger fanden nämlich eine große Menge weißer Flüssigkeit im Kopf des ersten erlegten Wals, und es stellte sich erst einiges später heraus, dass dies nicht wie gedacht Sperma war. Auf deutsch ist damit übrigens der Pottwal gemeint.



Wir bleiben jetzt noch über Weihnachten in Kaikoura. Wenn die Sonne scheint, ist es hier nämlich wirklich wunderschön, auch wenn die Stadt keinen guten ersten Eindruck gemacht hat. Bei der Ankunft hier verschluckten die Wolken nämlich sämtliche Berge, was die Gegend ziemlich unspektakulär erscheinen lässt. Aber bei gutem Wetter ist es schwer, den Mund wieder zu zu kriegen – ich zeig euch mal, was ich meine:










Der Blick aus unserer Tür


Kaikoura ist Heavy Metal - schwarzer Sand!

Ich würde sagen, der Plan, Weihnachten am Stand zu verbringen, geht voll auf!

Übrigens: Jule, hast du schon gesehen, dass Tenacious D zu Rock im Park kommt? Ich bin ja sowas von dabei^^
Falls du wieder billige Karten bekommst, wär super, wenn du mir eine mit besorgen könntest!


Nachtrag: Und während ich das schreibe, wackelt die Veranda. Nur ganz leicht, wie auf einem Boot bei leichtem Wellengang. Die Hostelbesitzerin bestätigt mir, dass das ein Erdbeben war, aber weiter beeindruckt ist sie nicht. Kein Wunder, sie ist Japanerin...